Nachlese

REGIO SOURCING #2 vom 11.11.2010 im Gasthaus Riegler in Pottenstein

Vom Comeback menschlicher Beziehungen in der Wirtschaft.

"Ich kenne Deuschland, ich bin überall in Europa unterwegs und liefere in die ganz Welt. Aber meinen Nachbarbetrieb an unserem Standort in Niederösterreich kenn ich nicht", sagt einer der Teilnehmer an der zweiten Regio Sourcing und fasst damit das Credo vieler zusammen.

Die Idee eine Messe für regionale Beschaffung zu organisieren, um auf diese Weise lokale Unternehmen über ganz konkrete Themen und Bedarfe zusammenzubringen scheint voll aufgegangen zu sein. Über 120 Personen fanden sich am 11.11.2010 im Gasthaus Riegler in Pottenstein ein und waren allesamt überrascht, wie viele wertvolle Kontakte und Gespräche in kürzester Zeit zustande kamen.

Dabei war zunächst grosse Unsicherheit angesagt: Eine "umgekehrte Messe", bei der die Aussteller nicht verkaufen sondern einkaufen wollen? Darunter konnten sich nur wenige etwas vorstellen. Umso euphorischer war dann das Ergebnis.

Johanna Schwabach, Leiterin Beschaffung und Logistik vom Austrian Institute of Technologies (kurz AIT, vormals Forschungszentrum Seibersdorf): "Wir wissen, dass sich viele regionale Unternehmen gar nicht trauen bei uns anzubieten. Dabei schätzen unsere Forschungsabteilungen gerade die lokalen Anbieter wegen ihrer hohen Verlässlichkeit und schnellen Reaktionszeit. Und ich bin wirklich überwältigt, wieviele sehr konkrete und ernsthafte Gespräche wir in drei Stunden führen konnten und welches Interesse wir dabei erfahren durften."

Auch das Team von Berndorf Band Engineering zeigte sich erfreut: "Als international agierendes Unternehmen ist es uns ein besonderes Anliegen regionale Fähigkeiten und Fertigkeiten in unsere Wertschöpfung miteinzubeziehen. Wir erhöhen dadurch unsere eigene Schlagkraft und bringen gleichzeitig neues Geschäft ins Triestingtal", meinte Marketingverantwortliche Barbara Schmeller.

Ein stark expandierendes Unternehmen ist UnitedDentists, deren Zahnkliniken in Wien, Vorarlberg und Ungarn ausgebaut werden. Johannes Schindler: "Ich habe für alle Punkte auf meiner Liste Lösungspartner gefunden: Vom Lüftungstechniker über modernste LED-Beleuchtung bis zum Kunstoff-Unternehmen, das spezielle Teile für uns fertigen wird."

Gleichermaßen begeistert zeigten sich die Besucher. Im Falle der Regio Sourcing also die Anbieter, die mit ihren Leistungsangeboten punktgenau auf Interessierte zugingen. "Jedenfalls drei bis vier Neukunden!", zeigt sich beispielsweise Erwin Pechhacker aus Altenmarkt zufrieden.

Und sogar Günter Mucke, unermüdlicher Geist hinter der Galerie Atelier 19 vermeldete Erfolge bei der Suche nach Sponsoren. "In wirtschaftlich angspannten Zeiten haben es Kunstschaffende besonders schwer. Umso erfreuter war ich, gerade bei der Regio Sourcing zwei echte Interessenten finden zu können."

An seinem Stand unterhielt sich Johann Kübel von COSMIC Sondermaschinebau mit Bernhard Weiszbart vom Heurigen Weiszbart & Weiszbart aus Leobersdorf. Übereinstimmend stellten sie fest, dass die lockere Atmosphäre und die der Region entsprechende Bodenständigkeit der Veranstaltung besonders sympathisch sind und gerade dadurch persönliche Gespräche zustande kämen. "Niemals zuvor war es wichtiger seine Lieferpartner wirklich gut zu kennen und auf einer echten Vertrauensbasis und in bester Zusammenarbeit seine Kunden zufriedenzustellen."

Genau das liegt auch dem Obmann des Wirtschaftsforums Triestingtal, Erich Bettel am Herzen: "Interessante Projekte entstehen nur, wenn wir miteinander reden und einander als Unternehmer in der Region kennenlernen." Seine Tochter Stefanie, die vor einiger Zeit das Ruder im Familienbetrieb übernahm, konnte bei der Regio Sourcing zwei neue Aufträge für die Firma Mack an Land ziehen.

"Die Region Triestingtal blickt auf eine lange Tradition der industriellen Fertigung und Zulieferung zurück. Man begegnet hier einem Menschenschlag von findigen und umsetzungsstarken Persönlichkeiten, die anpacken, wenn's darauf ankommt und gleichermaßen feiern und gemütlich sein können, wenn die Arbeit erledigt ist", erläutert Johannes Zeitelberger vom Wirtschaftsforum Triestingtal, der auch das Programm in gewohnt unterhaltsam-informativer Weise moderierte.

Neben ganz konkreten Bedarfen, wie zB der serienmäßigen Fertigung eines kompakten Altpapiercontainers aus Aluminium für die Firma EVVA, kamen auch strategische Aspekte zur Sprache.

Helmut Leopold, Head of Department Safety & Security des Forschungsinstitutes AIT, zeigte die Möglichkeiten der kooperativen Forschung auf. Dabei wies er besonders auf den Bedarf des AIT an Industriepartnern hin. Neuere Förderprogramme der Europäischen Union begünstigen besonders Klein- und Mittelbetriebe bei Innovations-Vorhaben. Das AIT bringt neben der Spitzenforschung auch langjährige Kompetenz in der Antragstellung und Abwicklung ein. Kleineren Unternehmen gelingt dadurch die erfolgreiche Teilnahme an europäischen Programmen.

In die gleiche Kerbe schlug Kurt Ludikovsky, der mit der Expertsgroup "TRANSINNO" Unternehmen über das Thema Ideen-Management vernetzt.

Andere Kooperationsmöglichkeiten präsentierte die Computer Measurement Group mit Open Access Networks (OAN). Es handelt sich dabei um Modelle für den Ausbau der Internet-Breitband-Infrastruktur im ländlichen Raum. Den anwesenden Bürgermeistern konnte OAN-Projektleiter Heinz Pabisch wertvolle Tipps geben, wie unversorgte Gebiete an den Datenhighway angeschlossen werden könnten.

 

LEXpress ist die Zeitung für KMUs. Verlagsmann Herbert Hof diskutierte mit den teilnehmenden Unternehmen vielfältige Ansätze effizienter Kommunikation.

Abgerundet wurde der Regio Sourcing-Nachmittag mit der Erfolgsgeschichte von Claudia Tobias, Geschäftsführerin von Matador Spielwaren und Monika Hafner, Inhaberin von Kinder-Küche-Kunstgenuss (ehem. Quelle-Shop in Leobersdorf). Nach 10 Jahren erfolgreicher Tätigkeit stand Monika Hafner plötzlich vor dem Aus. Bei einer der Veranstaltungen des Wirtschaftsforums Triestingtal lernte sie Claudia Tobias kennen. Sie fand in ihr nicht nur eine Geschäftspartnerin für bestes österreichisches Holzspielzeug sondern auch eine Mentorin, die ihr mit zahlreichen Kontakten zu einem neuen attraktiven Portfolio verhalf. Sehen Sie selbst!

Für den perfekten Ablauf vielfach bedankt wurde schließlich das Organisationsteam, bestehend aus Claudia Ziehaus von REGIONETaktív, von der Eventagentur Karoline Schönbeck und Alexandra Gierer, Karl Grögler für Licht und Ton, Silvia Riegler für Speiss und Trank sowie ganz besonders die Taskforce des Wirtschaftsforums Triestingtal für Engagement, Konzeption und Durchführung. Der Bezirksstelle Baden der Wirtschaftskammer NÖ galt weiters der Dank für die unbürokratische und mutige Unterstützung der Regio Sourcing, den Bezirksstellenleiter Andres Marquardt und Bezirksstellenobmann Andreas Kolm persönlich entgegen nahmen.

"Die Politik kann keine Arbeitsplätze schaffen", konstatierte Landtagsabgeordneter Josef Balber und Manfred Schweiger, Bürgermeister von Pottenstein ergänzte: "Ohne Wirtschaft können die Gemeinden nicht überleben". Beide betonten die Wichtigkeit der regionsweiten Initiative und Plattform Wirtschaftsforum Triestingtal und motivierten in ihren Beiträgen seine Mitglieder weiter so engagiert und erfolgreich zu wirken.

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